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Der Wetter-Ausflug: Büdinger Geotope

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von Michael Elsaß

Die Höhepunkte der heutigen Wanderung haben wir Lothar Keil zu verdanken. Das Büdinger Original hat es sich zur Aufgabe gemacht, die geologischen Schätze der Stadt herauszuputzen. Nebenbei hat er im Jerusalemer Tor ein Sandrosenmuseum mit zum Teil spektakulären Funden eingerichtet. Dem Endsechziger ist es zu verdanken, dass der "Wilde Stein" freigelegt wurde und auch der Steinbruch im Büdinger Stadtteil Michelau wird zu einem Anziehungspunkt für Wanderer werden

Wir parken unser Auto am Garten Kölsch, wo wir gleich einen ersten Eindruck von den Aktivitäten von Lothar Keil haben. Ihm ist es nämlich zu verdanken, dass diese mächtigen Steine, alle aus der Wetterau, hier aufgestellt wurden

Wir verlassen die Altstadt in Richtung Süden, überqueren den Seemenbach, gehen rechts auf die Gymnasiumstraße und am Schild "Krankenhaus" nach links in die Straße "Am Wilden Stein". Jetzt heißt es erst einmal ein Stück geradeaus, die Straße bis zu deren Ende, dort links und nach wenigen Metern erblicken wir den Wilden Stein, der sich nach dessen Freilegung zu einem Wahrzeichen der Stadt entwickelt hat.

In der Zeit des unteren bis mittleren Miozäns, genauer von 15-18 Millionen Jahren, war die Vogelsberg-Region von intensiver vulkanischer Aktivität geprägt. Vulkane schleuderten bei heftigen Ausbrüchen Tuffe heraus und Laven flossen Dutzende Kilometer weit vom Oberwald herab. Am Rand des Vulkangebietes durchschlugen einzelne Vulkanschlote das umgebende Gestein, wie auch am Wilden Stein in Büdingen. Nach dem Ausbruch blieb die Alkalibasalt-Schmelze als Lavasee im Krater stehen und erkaltete. Dabei bildeten sich die Säulen. Im Laufe der Jahrmillionen wurde der umgebende Buntsandstein teilweise abgetragen und die Säulen wurden sichtbar. Die Meilerstellung der Säulen (angeordnet wie die Holzscheite eines Kohlemeilers) lässt sich auch heute noch annähernd erkennen, obwohl einige große Blöcke umgefallen sind.

Eine Besonderheit stellen die Buntsandstein-Einschlüsse im Basalt dar, Bruchstücke aus dem umgebenden Gestein, in das der Vulkan seinen Krater gesprengt hatte. Die Sandsteinblöcke fielen bei der Eruption in die Schmelze, wurden dabei aufgeheizt, gebleicht und bildeten anschließend bei der Abkühlung ebenfalls Säulen, die dieselbe Ausrichtung wie die Basaltsäulen zeigen.

Von hier oben hat man einen herrlichen Ausblick auf das mittelalterliche Büdingen. Auf halbem Wege zurück, gehen wir wenige Meter auf einem mit "Y" bezeichneten Weg. An der ersten Wegkreuzung verlassen wir diesen Wanderweg schon wieder und gehen geradeaus. Zunächst nehmen wir mehrere Stufen und dann wandern wir bergan bis zum Waldrand.

Hier folgen wir dem Pfad nach links, der auf einen breiteren Weg stößt, dem wir dann folgen. Wir gehen am Dohlberg entlang, wo im Krieg eine Reihe von Bunkern entstanden sind, deren gesprengte Reste heute noch zu sehen sind. Am Dohlberg wurde schon im Mittelalter Sandstein abgebaut. Mit etwas Phantasie kann man die längst überwachsenen Abraumhalden und die Steinbrüche erahnen.

Wir kommen an ein Waldgatter, das wir hinter uns wieder schließen und laufen jetzt ein ganzes Stück im eingezäunten Bereich, parallel zur Landesstraße, die nach Rinderbügen führt. Links sehen wir auf der anderen Seite des Seemenbachtals den viel fotografierten Büdinger Sandsteinbruch.

Erneut durch ein Waldgatter gehend, kommen wir bald zum Hammer, dessen Name an eine ehemalige Hammerschmiede erinnert. An den Gebäuden gehen wir links, überqueren den Seemenbach und anschließend die Landesstraße und kommen gleich wieder in den Wald, wo wir uns rechts halten und jetzt eigentlich immer nur geradeaus gehen.

Von der Landesstraße aus folgen wir gut anderthalb Kilometer unserem Weg, dann kommen wir an eine T-Kreuzung, wo wir nach links gehen, um nach weiteren 200 Metern an der nächsten T-Kreuzung wieder nach rechts zu gehen. Diesem Weg folgen wir nun für rund 700 Meter und kommen an eine Lichtung. Auf der linken Seite sehen wir einen tiefen Einschnitt, rechts und links sind hohe, längst zugewachsene Abraumhalden.

Hier wurde bis Anfang der 60er Jahre ein ganz besonderer Basalt abgebaut. Dieser Basalt gehört zu einem Lavastrom, der vor etwa 16-18 Millionen Jahren im Miozän ausgeflossen war. Als der Lavastrom zum Stillstand kam, bildeten sich infolge der Abkühlung diese senkrecht stehenden Basaltsäulen. Der Michelauer Basalt eignete sich besonders gut für die Herstellung von Kopfsteinpflaster, ein Straßenmaterial, das heute vielfach unter Teerdecken schlummert und kaum noch Verwendung findet, weil es insbesondere bei Nässe gefährlich glatt wird.

In den Hochzeiten haben hier fast 20 Menschen eine Arbeit gefunden, zur Hälfte Steinrichter und Tagelöhner. Für fast 50 Jahre fiel der Steinbruch in einen Dornröschenschlaf, jetzt mobilisiert Lothar Keil seine Legionen, um Bäume weg zu schneiden, um das prachtvolle Geotop einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Immerhin 17 Millionen Jahre alt sind diese monumentalen Basaltblöcke. Wenn sie der Witterung ausgesetzt sind, schälen sie sich geradezu und werden zu Kugeln, die besonders schön anzusehen sind.

Kleinere Kugeln findet man auch im Abraum - eine schöne Beschäftigung für unsere kleinen Mitwanderer "Wer findet die schönste Kugel?". Im Sinne unserer Nachwanderer wird aber darum gebeten, nur im Abraum zu suchen und nicht das Geotop selbst zu beinträchtigen.

Wir gehen zurück und nach links weiter unseren Weg. Nach gut 1 ½ Kilometern kommen wir an den Erlenborn, eine schöne Quelle, wo wir zwei Möglichkeiten haben: Wir gehen links direkt zurück nach Büdingen, müssen aber sieben Kilometer laufen ohne eine Möglichkeit, einkehren zu können oder wir gehen rechts nach Michelau und nehmen einen Umweg von insgesamt anderthalb Kilometern in Kauf, können uns aber dieses hübsche Dörfchen anschauen, das etwas verschlafen wirkt, zumal es keine Durchgangsstraße gibt. Wer hier ist, der wollte auch hier herkommen. Die Zufahrt erfolgt über Wolferborn.

Wenn wir nach Michelau gehen, halten wir uns am Ortseingang rechts. Die erste asphaltiere Straße gehen wir nach links und sind bald in der Ortsmitte, wo eine kleine Kneipe auf uns wartet, die, wenn man vorher angerufen hat, speziell für uns die Pfannen auf den Herd stellt (Zum Zillertaler Eck, Tel.: 06049/7541).

Gut gestärkt gehen wir die Hauptstraße weiter und folgen zunächst dem Radwegeschild in Richtung Büdingen. An der Landmannhütte verlassen wir den Radweg und gehen geradeaus. Auf unserem Weg zurück sehen wir mehrere überwachsene Steinbrüche und Abraumhalden. Wir gehen unterhalb der Jugendherberge, ein Flachdachgebäude aus den 70er Jahren, überqueren den Hohlweg und lassen diesen nach links abbiegen, während wir den Pfad geradeaus nehmen.

Dieser öffnet sich nach kurzer Zeit zu einem Fahrweg in Richtung Büdingen. Zwischendurch können wir einen Blick auf die im Nachbarkreis liegende Ronneburg werfen. Bevor wir die Stadt erreichen, wandern wir noch auf einem ganz besonderen Weg. Hier wurde das Kopfsteinpflaster aus Sandstein gearbeitet, Lothar Keil zufolge stammt es noch aus dem Mittelalter. Genauso wie viele der Mauern, die einst die wertvollen Weingärten umgrenzten. Wir kommen durch die Obergasse in den Ort und überqueren den Oberhof, von wo aus wir den Markplatz erreichen und gleich darauf an unserem Parkplatz am Garten Kölsch ankommen.

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